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Pressekommentare

Süddeutsche Zeitung - Der Schwindel mit der Wahrheit

"Der Schwindel mit der Wahrheit"

Süddeutsche Zeitung / Feuilleton (13.03.2008)

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Blickpunkt Film - Ein brilliantes, lobenswertes Experiment...

"Ein brilliantes, lobenswertes Experiment..."

Blickpunkt Film


Mischung aus absurdem Theater, experimenteller Video-Installation, TV-Satire und Psychotherapiesitzung.


„Roland Rebers unabhängig finanzierte Mischung aus absurden Theater, experimenteller Video-Installation, TV-Satire und Psychotherapiesitzung ersetzt in seiner erschlagenden Erkenntnis-Fülle ein komplettes Philosophie-Studium. Was abseits der staatlich kontrollierten Filmförderung sprießt, muss nicht immer nur rabiater Amateur-Splatter, sondern kann auch eine bizarre Wundertüte sein, die sich mit Verve und Einfallsreichtum auf die Suche nach der verlorenen männlichen Mittelschicht-Identität begibt und dabei die Kopfkapazität des mitdenkenden Zuschauers testet.

Die Reise ins Unterbewusstsein eines namenlos bleibenden Mannes (Wolfgang Seidenberg) braucht keine Narration, sondern nur den Anlass: Er hat seine kommunikationslose Ehewüste verlassen und sucht nun, auf der Straße im urbanen Niemandsland gestrandet, Anschluss bei einer Müllsammlerin (Mira Gittner), die sich Godot nennt - nur der erste Hinweis auf die Nähe zum später auch am "Rotkäppchen"-Märchen durchexerzierten experimentellen, dialektischen Theater. Leistet der Mann mit seinen übernaiven Fragen der altklugen Godot Vorschub für reihenweise Aperçus, die tiefsinnig, hintersinnig oder sinnlos - manchmal auch alles zusammen - sind, führt ein Talkmaster (Antonio Exacoustos) in die zweite Ebene des Films: Die satirische TV-Show "Nur die Einsamkeit zählt" streift durch das Unterbewusstsein des Protagonisten, konfrontiert ihn mit den Vorwürfen seiner frustrierten Frau, der zum Sexobjekt degradierten Geliebten, seinem holocaustleugnenden Vater. Dazu gesellen sich ein alberner Freund, der dümmliche Mario-Barth-Schenkelklopfer absondert und nicht zuletzt Adolf Hitler, der aus einer Mülltonne heraus Judenwitze zum besten gibt.

Das ist freilich nichts für den schnellen, gefahrlosen Konsum, sondern ein herausfordernd stacheliges wie originelles Füllhorn, das kein Tabu kennt und sich einen Spaß daraus macht, mit psychologischer Selbsterkenntnis und philosophischen Volten die Suche nach der Wahrheit erst zu verfolgen, alsdann zu torpedieren. Existenzialismus meets Dadaismus, gespickt mit ätzenden Betrachtungen zur Medienödnis und Triebleben, erkenntnisreichen zu Geschlechterverhältnis und Dasein im Konsumkäfig. Ein brillantes, lohnenswertes Experiment, das wichtige Fragen aufwirft, statt vorschnelle Antworten zu geben.“

(Quelle: Blickpunkt:Film)
http://www.kino.de/kinofilm/mein-traum-oder-die-einsamkeit-ist-nie-allein/106319.htm

kino-zeit.de - theatralische Sinnsuche

Kino-Zeit.de - Joachim Kurz


Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein

 

Die theatralische Sinnsuche des Roland Reber


Es gibt sie noch – die wahren Independent-Filmer. Auch in Deutschland gedeihen abseits des Mainstreams und fern von den Zuschüssen der Filmförderanstalten Filme, die künstlerisch wie auch inhaltlich etwas wagen – und oft genug gewinnen. Einer dieser wenigen verbliebenen wirklich unabhängigen Filmemacher ist Roland Reber. Der Regisseur, dessen langjährige Arbeit am Theater auch bei seinen Filmen stets zu spüren ist, rief 1998 die wtp international Filmproduktion, Vertrieb & Verleih GmbH ins Leben und macht seitdem Filme, die in ihrer Anlage deutschlandweit einmalig sind – und zwar in jedem Sinne. Man mag von seinen Filmen halten, was man will – angepasst oder dem Mainstream auf der Spur sind sie jedenfalls nicht. Auch in seinem neuen Werk mit dem Titel MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN entführt der Regisseur sein Publikum wieder in ein bizarres und sehr theatralisches Panoptikum, in dem es wie stets um die Sinnsuche, um das Leben an sich und die Fluchtmöglichkeiten aus Routine und Erstarrung geht. Ob man sich darin wieder findet oder – und auch das ist eine häufige Reaktion bei den Filmen Rebers – den Saal vorzeitig verlässt, das hängt ganz davon ab, inwiefern man bereit ist, sich auf die Negierung beinahe aller filmischen Regeln einzulassen.

Im Mittelpunkt des Films steht ein MANN (Wolfgang Seidenberg) – Reber gesteht im keinen Eigennamen zu, um das universell Gültige der Person zu betonen –, der genervt von der alltäglichen Routine Reißaus nimmt aus seinem Leben und von seiner FRAU (Marina Anna Eich). Bei seiner Flucht landet er auf einem leer stehenden, verlassenen Fabrikgelände, auf dem er auf eine Frau namens GODOT (Mira Gittner) trifft, der er sich anschließt. GODOT lebt buchstäblich im Dreck, sie sucht in den menschlichen Hinterlassenschaften nach Anzeichen und Spuren von Leben – zu welchem Zweck auch immer. Im Verlauf ihres Beisammenseins sieht der MANN – von GODOT angeleitet – das eigene Leben immer wieder wie einen Film, wie eine Casting-Show vor dem inneren Auge an sich vorüberziehen. Sein Leben, die Menschen, die ihn umgeben und die ihm etwas bedeuten und letzten Endes auch er selbst – sie alle sind Akteure in einer Show, die sich Leben nennt…

MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN ist zweifelsohne ein Film mit einem gewaltigen Anspruch: Abseits der ausgetretenen Pfade des filmischen Erzählens geht es nicht allein um ein Thema, sondern um viele – Fragen der Identität und der Realität werden ebenso verhandelt wie Einsamkeit als "conditio humana", der Film ist zugleich eine schrille Nummernrevue, eine beißende Medienschelte, eine philosophische Sinnsuche und ein extrem verfremdetes KUNSTwerk, das nur eines im Sinn hat – das Leben in aller seiner Fremdartigkeit, Absurdität und Vielfalt einzufangen und auf die Leinwand zu bannen. Roland Reber und sein Team, bei dem sich kaum einer allein auf eine Funktion beschränkt, ziehen alle Register, sie bedienen sich der Mittel des Theaters, der Performance Art, des Films und der gesamten Medienwelt, die meist als Parodien oder schräge Travestien daherkommen. Das ständige Pendeln zwischen höchstem Anspruch und größtmöglicher Banalität scheint nicht zufällig, sondern eher integraler Bestandteil eines künstlerischen Masterplans zu sein.

Immer wieder fühlt man sich an die Wiener Aktionisten erinnert, dann wieder gemahnt das Ganze an eine Horde wild gewordener Wanderschauspieler, deren größtes Vergnügen darin liegt, möglichst viele Spießbürger nach Kräften zu erschrecken. Wer einmal ein Jahresabonnement in einem beliebigen deutschen Provinztheater sein Eigen nannte, der weiß, wie sensibel manches Publikum immer noch auf das Wörtchen "Scheiße" reagiert und wie sehr sich Herr und Frau Jedermann über den Anblick nackter Haut echauffieren können.

Dieses Oszillieren zwischen Extremen ist geradezu typisch für Rebers Filme, und es macht die Auseinandersetzung mit dem Filmemacher nicht gerade einfacher. Ob seine Botschaften auch beim großen Publikum ankommen, darf man bezweifeln. Zumal am Ende viele Fragen offen bleiben – frei nach Brecht. Eines aber hat Roland Reber mit Sicherheit erreicht – man kann den Film nur hassen oder lieben, man kann über manche Schwächen hinwegsehen, kann den trashigen Look mancher Special Effects ignorieren, manche verschwurbelte Lebenshilfe-Rhetorik überhören oder auch nicht. Gleichgültig lässt MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN einen mit Sicherheit nicht.

kino-zeit.de, Joachim Kurz

www.kino-zeit.de/filme/artikel/8775_mein-traum-oder-die-einsamkeit-ist-nie-allein-.html

Teleschau - Gedanken eines Namenlosen

Teleschau - Mediendienst, J. Köhler


Die Gedanken eines Namenlosen.


(tsch) "Die meisten leben in, ich lebe von der Scheiße." Die Müllsammlerin versucht erst gar nicht, ihre Tätigkeit zu beschönigen. Doch auch wenn das Leben der Frau auf den ersten Blick trist erscheint, so geht es ihr doch besser als so manch anderem Menschen - denn sie lebt auf einer Trauminsel. Regisseur Roland Reber lässt die Dame im Drama MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN auf einem Gummiboot mit aufblasbarer Palme durch die Abwasserkanäle schippern. Für eine Nacht bekommt GODOT, wie sich die Frau nennt, einen namenlosen MANN an die Seite gestellt. Zusammen unternehmen sie einen Streifzug durch den Unrat des Lebens.

Der MANN wird von Wolfgang Seidenberg verkörpert, der seit 1994 als Frank Töppers im "Marienhof" zu sehen ist und sich nun in seiner ersten Charakterrolle versucht. Ein mutiges Projekt hat er sich für dieses Vorhaben ausgesucht. MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN wurde ohne staatliche Filmförderung und ohne Finanzierung durch einen privaten Filmfond realisiert. Ziel war es, ohne Vorgaben und Einschränkungen ein bizarres Stück Kunst zu schaffen. Herausgekommen ist eine Film-Wundertüte, die den Zuschauer immer wieder zu überraschen weiß. Experimentelles Theater wechselt sich mit Video-Installationen und einer pointierten TV-Satire ab. Das wirkt streckenweise überfrachtet, ist hin und wieder zu kopflastig - ersetzt aber so einige Psychotherapiesitzungen.

Im Leben des Mannes wiederholen sich die Dinge. Dem Trott entflieht er. Er verlässt seine FRAU (Marina Anna Eich) und die GELIEBTE (Sabrina Brencher), entkommt der MUTTER (Barbara Schmidt) und nabelt sich gedanklich vom verstorbenen VATER ab. Doch plötzlich ist er alleine und dieser Umstand macht ihm zunehmend Angst. Nur GODOT nimmt ihn zu sich auf. Während der gemeinsamen Reise durch den Müll der Stadt kehrt der Namenlose sein Innerstes nach Außen. Seine Erinnerung wird dem Zuschauer als buntes Potpourri aus Stummfilm, Talkshow und Computerspiel präsentiert.

Der MANN merkt schnell, dass er nur durch die Auseinandersetzung mit sich selbst Heilung erfahren kann. Die Bilder, mit denen Roland Reber den existenziellen Fragen nachgeht, sind kraftvoll und außergewöhnlich. Der Film ist ein Abenteuer, auf das sich der Zuschauer bedingungslos einlassen muss. Doch Mut wird belohnt - in jeder Hinsicht. Während die Filmemacher in München durch die Regularien der Behörden davon abgehalten wurden, in der Kanalisation der bayerischen Landeshauptstadt zu drehen, zeigten sich die Landsberger Beamten kooperativer. Die beiden Kanalarbeiter, die beim Dreh mit vor Ort waren, spielten kurzerhand mit - und brachen somit aus den ihnen sonst zugewiesenen Rollen aus, um Neuland zu betreten.

teleschau – der mediendienst, Julia Köhler
http://www.frankenpost.de/event/kino/filme/teleschau/art2170,800150

Die Teleschau beliefert zahlreiche deutsche Printmedien.

Filmdienst - ... sich nicht an das Erwartete hält...

Filmdienst, Stefan Volk

 

Eine Produktion, die sich nicht an das Erwartete hält...

 

filmdienst:

 

„Wer glaubt, Film habe sich längst als „siebte Kunst“ etabliert, der übersieht, dass bei aller kultureller Dominanz Kino gerade eins nicht besitzt: Kunstfreiheit. Kaum ein Medium wird derart auf stringente narrative Erzählmuster festgelegt wie der Kinofilm. Eine Produktion, die sich nicht an das Erwartete hält, wird als Film verdächtig. Aus den Kinosälen wird sie verbannt auf Vernissagen oder in Filmfestnischen. Ganz pragmatisch sind es Einspielergebnisse und Produktionskosten, die regeln, was Kino sein darf. Nicht zuletzt dieser mediale Diskurs ist es, den Roland Reber („24/7 The Passion of Life“, fd 37 473) in MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN einerseits sprengt und andererseits thematisiert. Nein, wirklich unterhaltsam ist Rebers ohne öffentliche Fördergelder finanzierter Film nicht. Eher anstrengend. Authentisch oder realistisch ist er ebenso wenig. Die Figuren bewegen sich in einer artifiziellen Kulissenlandschaft. Sie reden und chargieren, als stünden sie auf einer Theaterbühne. Stilistisch wirkt MEIN TRAUM wie abgefilmtes Theater, nur dass das Set aus mehreren Bühnen besteht und die Montage flexible Schauplatzwechsel erlaubt. Doch wo steht eigentlich geschrieben, dass ein Kinofilm unterhaltsam und authentisch zu sein hat? Reber geht es von vornherein um etwas anderes.

Die „Handlung“ seines Films reduziert er auf ein rudimentäres Gerüst, um in assoziativ miteinander verketteten Episoden die nachmoderne Medien- und insbesondere Fernsehlandschaft zu karikieren und im Dschungel der ebenso aufdringlichen wie inhaltsleeren Zeichen nach einem Sinn zu fahnden. Als Inkarnation dieser Suche fungiert ein namenloser MANN – überzeugend gespielt von einem Protagonisten jener Fernsehkultur,die Reber diskreditieren möchte: dem „Marienhof“-Darsteller Wolfgang Seidenberg. „Ich bin weggegangen“ teilt der MANN gleich zu Beginn mit, und bald lässt sich rekonstruieren, dass er FRAU und GELIEBTE verlassen hat, um sich selbst zu finden. Auf einem stillgelegten Fabrikgelände trifft er auf die junge, mysteriöse GODOT, die Fäkalien aus den Abwasserkanälen (wer hier an Fernsehkanäle denkt, dürfte nicht ganz falsch liegen) nach Spuren der menschlichen Existenz durchwühlt.

Während der MANN mit GODOT über Gott und die Welt philosophiert, zappt der Film durch seine Erinnerungen und Gedanken, die in Form von trivialen Fernsehshows, Daily Talks, Stand-up-Comedy oder lüsterner Märchenfarcen Gestalt annehmen. Die ungeliebte GELIEBTE, die unbefriedigte FFRAU, der unzufriedene VATER, der altdeutsche Opa und ein schlüpfrig witzelnder FREUND bedrängen den MANN in diesen surreal-absurden Einspielungen. Die Sinnsuche wird in dem kruden Mix aus Seelen- und Medienmüll, wie es der TALKMASTER dieser Albtraumwelt pointiert formuliert, zu einem „Panoptikum des Irrsinns, des Tiefsinns, der Metapher, der Sinnlosigkeit.“ Ohne Antwort entlässt Reber den benommenen Zuschauer. Aber doch mit reichlich Denkanstößen.

Als unbequemer, innovativer Konzeptfilm ragt MEIN TRAUM aus dem wohlfeilen Unterhaltungsbrei des konfektionierten Kinos erfreulich heraus. Allerdings geht das Konzept nur teilweise auf. Die prätenziös auf Avantgarde getrimmte Satire gerät – als hätte sie sich am Gegenstand ihrer Kritik infiziert – oftmals selbst banal und beliebig: mit gesucht bizarren Bildern wie einer Gummipalmeninsel, die in der Kloake treibt, oder mit anstößigen Dialogen voller „Schwänze“ und „Löcher“. Als Quintessenz derart trivialer Provokationen steigt irgendwann der unvermeidliche HITLER aus der Mülltonne und treibt die Medientravestie dann doch noch recht treffend auf die Spitze, wenn er im Führer-Stakkato loswettert: „Der Sinn des Lebens ist es, in den Recall zu kommen.“

filmdienst, Stefan Volk
http://film-dienst.kim-info.de/kritiken.php?nr=9326

Sneakfilm.de - Selbstfindung Extrem

Sneakfilm.de - Michael Welsing


Mein Traum oder die Einsamkeit ist nie allein - Selbstfindung Extrem


Das Team um Regisseur Roland Reber (Das Zimmer, The Dark Side of Our Inner Space) hat einen neuen Film fertiggestellt: MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN. Ich hatte die Möglichkeit mir den Film als Pressekopie schon weit vor dem Kinostart anzusehen und nun möchte ich darüber berichten.

[STORY]

Der MANN (Wolfgang Seidenberg) läuft vor seinem Leben davon. Von der Ehefrau mit der Geliebten erwischt, von der Geliebten genauso wenig verstanden wie von der Frau und mit der Gesamtsituation unzufrieden wagt der die Flucht nach vorn. Auf einem stillgelegten Fabrikgelände trifft der MANN auf GODOT (Mira Gittner). Sie hat es sich in einem alten Wohnmobil nett gemacht und wühlt im wahrsten Sinne des Wortes in der Scheiße anderer Menschen. Sie durchforstet die Abwasserkanäle und Müllhalden nach Zeichen menschlicher Existenz, nach verlorenen und weggeworfenen Habseligkeiten. Gemeinsam mit GODOT ergründet der MANN, was der Sinn des Lebens ist. Dabei lässt er sein eigenes Leben Revue passieren und erlebt seine Eigenarten und Fehler in bizarren Traumsequenzen.

[MEINE MEINUNG]

MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN trägt ganz eindeutig die Handschrift von Regisseur Roland Reber. Und das ist auch gut so. Genau wie seine anderen Werke bewegt sich auch MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN auf einer sehr philosophischen Ebene und liefert dem Publikum Kino zum mitdenken. Wer nur am reinen Filmkonsum interessiert ist, ist bei diesem Film falsch. Wer sich allerdings auf einen tiefgründigen Film einlassen kann, wird bestens unterhalten. Wolfgang Seidenberg (Marienhof) passt hervorragend in die Rolle des MANNes auf der Suche nach sich selbst und findet in der erneut erstklassig spielenden Mira Gittner (Pentamagica) die ideale Partnerin. Doch auch in den Nebenrollen ist der neueste Reber- Film gut besetzt. Als FRAU überzeugt Marina Anna Eich (Zwang, 24/7 The Passion of Life) genauso, wie Sabrina Brencher als GELIEBTE, Barbara Schmidt als MUTTER, Torsten Münchow (Schattenspiel, Superbrain) als VATER oder Wolfram Kunkel (Der Zigeunerschimmel, Der zerbrochene Krug) als GROSSVATER. Auch Andreas Heinzel (Der König von St. Pauli, Bobby) als FREUND des MANNes darf man nicht vergessen, genauso wenig wie Antonio Exacoustos als "1-Euro Penner" und TALKMASTER. Schaut man nur auf die Bezeichnung Nebenrolle, könnte man meinen, dass die hier aufgezählten Darsteller eigentlich keinen großen Einfluss auf den Erfolg des Film beziehungsweise auf das Gelingen der Story hätten. Es ist allerdings gerade das Gegenteil der Fall. Es sind gerade diese kleinen Rollen, die Menschen im Leben des MANNes, die den Film erst so richtig faszinierend machen. All diese Charaktere treten nämlich in den verschiedenen Traumsequenzen auf. Die Traumsequenzen sind somit der rote Faden des Films. Dabei werden diese von Reber allerdings nicht unbedingt so inszeniert wie man sich das typischerweise vorstellt, in dem der Mann einfach einschläft und träumt. Der Selbstfindungsprozess des Mannes gestaltet sich so zum Beispiel in TV-Sendungen, Computerspielern oder Stummfilmen. Diese Vielzahl an Inszenierungen machen den Film wirklich zu etwas besonderem.

[FAZIT]

MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN ist ein tiefgründiges Meisterwerk für ein Publikum, das auch beim passiven Medium Film seinen Kopf benutzen möchte. Wer die Suche des Mannes nach seiner selbst gesehen hat, wird sein eigenes Leben vermutlich auch mit anderen Augen sehen und so manches Handeln noch einmal überdenken.

(Sneakfilm.de, Michael Welsing)
http://www.sneakfilm.de/2007/12/25/filmkritik-mein-traum-oder-die-einsamkeit-ist-nie-allein-selbstfindung-extrem/

Brilliant. Intelligent. Kreativ. Erkenntnisreich.

Gordon Weaver, Filmpublizist / USA

 

Brilliant. Intelligent. Kreativ. Erkenntnisreich.


MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN ist ein meisterhafter Film, der unterhält, während er gleichzeitig die Psyche erforscht, als ob Sigmund Freud neben einem säße und flüsterte: "Gib es zu! Das bist Du." Es scheint, als seien alle vorherigen Werke des wtp-Teams eine Vorbereitung auf MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN gewesen.

Während vertraute Gesichter von anderen Arbeiten noch präsent sind, insbesondere die stille Schauspielkunst der klassischen Schönheit Mira Gittner, die fantastische, sinnliche Präsenz von Marina Anna Eich, und natürlich die lenkende Präsenz der Regie Roland Rebers, sind hier auch neue Kräfte am Werk. Insbesondere der attraktive Wolfgang Seidenberg, der seine Rolle mit stiller und dennoch kraftvoller Sensibilität spielt, und Sabrina Brencher, eine Schönheit, die auch schauspielen kann; eine seltene Kombination.

Es scheint, als sei frischer, kreativer neuer Wein in eine alte, reife Flasche gegossen worden. Für denjenigen, der Filme liebt sind das wirklich gute Neuigkeiten. Sogar ein Anlass zu jubeln. Alles, und ich meine alles, vom brillianten Drehbuch bis zum klaren Ton, dem höchst wirkungsvollen präzisen Schnitt, der atemberaubenden Kameraführung und der kraftvollen und dennoch unaufdringlichen Musik, alles wurde von einem neuen Gefühl von Reife und Kreativität durchdrungen. ...

Was wir in MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN beobachten, ist , dass die Besetzung, der Regisseur und Autor und der technische Stab offensichtlich beschlossen haben, ohne Sicherheitsnetz zu fliegen, und als Ergebnis einen hohen Ton nach dem anderen mit Klarheit und Präzision treffen. Einige der Dialoge sind so brillant und erkenntnisreich, dass es mich nicht überraschen würde, wenn ich Kinogänger jeden Alters sehen würde, die damit auf ihren T-Shirts protzen.
Danke für eine großartige und bewegende Filmerfahrung.

Gordon Weaver, Filmpublizist / USA - leitete bei Paramount die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit

filmstarts.de - ohne Rücksicht auf antrainierte ... Strukturen...

Filmstarts.de - C. Petersen

 

... ohne Rücksichts auf antrainierte visuelle und dramaturgische Strukturen... von Christph Petersen

 

FILMSTARTS.de - Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein
Wertung: 7/10 Punkte

Sicherlich ist es eine gute Sache, wenn Til Schweiger nach mehr als fünfeinhalb Millionen Zuschauern das Fördergeld für seine KEINOHRHASEN feierlich an die zuständige Filmförderung zurückgibt. Doch dies ist immer noch eine Szene mit Seltenheitswert, kommt der überwiegende Teil der in Deutschland produzierten Filme nicht einmal in die Nähe der grünen Zahlen. Und weil dem so ist, würde hierzulande wohl auch kaum ein klar denkender Financier die Kosten für einen Film komplett aus eigener Tasche vorstrecken. Dies hat zur Folge, dass heimische Produktionen vollkommen von der Gunst der Filmförderungsanstalten abhängig sind. Vom ersten Entwicklungsschritt an gilt es, die Erwartungen der Förderer im Hinterkopf zu behalten. So werden Filme beispielsweise häufig in mehreren Bundesländern gedreht, auch wenn dies storytechnisch keinesfalls nötig wäre, um einfach in möglichst viele Förderkreise zu fallen.

Auf solche budgettaktischen Spielereien lässt sich die in Bayern beheimatete Produktionsfirma „wtp international“ gar nicht erst ein. Sie finanziert ihre Spielfilmprojekte prinzipiell ohne Fördermittel und Senderbeteiligungen. Und das auch noch mit beachtlichem Erfolg. Vor drei Jahren lockte die aufregend andere Sado-Maso-Phantasmagorie 24 / 7 THE PASSION OF LIFE mehr als 13.500 Besucher in die Lichtspielhäuser. Nun bringt wtp-Stammregisseur Roland Reber mit MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN die stilistisch abgefahrene Verfilmung seines eigenen Theaterstücks „Mein Traum ist nur ein krankes Kind“, das 1985 in Lünen uraufgeführt wurde, in die Kinos.

Der MANN (Wolfgang Seidenberg, der Klempnermeister Frank Töppers aus „Marienhof“) reißt vor seiner FRAU (Marina Anna Eich) und den ermüdenden Wiederholungen des täglichen Lebens aus. Seine Flucht führt ihn auf ein stillgelegtes Fabrikgelände, wo er auf GODOT (Mira Gittner) trifft. Diese durchwühlt allnächtig den Schlamm in den Abwasserkanälen auf der Suche nach Beweisen menschlicher Existenz. Der MANN folgt ihr, eine aufregende Reise durch die Nacht und den Sinn des Lebens nimmt ihren Lauf. Dabei lässt der MANN immer wieder seine Gedanken schweifen. Er sieht sein bisheriges Leben als surreales TV-Spektakel vor seinem inneren Auge vorüberziehen. Der TALKMASTER (Antonio Exacoustos) führt durch das Programm, in einem „Herzblatt“-Klon treten die FRAU und die GELIEBTE (Sabrina Brencher) gegeneinander an, in der Comedy-Show „Nur der Witz zählt“ gibt der FREUND (Andreas Heinzel) des MANNES platte Möchtegern-Gags zum Besten und der Nazi-GROSSVATER (Wolfram Kunkel) sowie der italienische EIN-EURO-PENNER kommen auch noch zu ihren Auftritten…

Independent-Kino ist auch nicht mehr das, was es mal war. In Amerika haben die großen Studios ihre eigenen Sub-Labels (z.B. „Fox Searchlight“, „Sony Classics“) gegründet, unter denen sie Independent-Filme produzieren, die sicherlich nicht zwangsläufig schwach sind, aber doch zumindest diesen Namen nun wirklich nicht mehr verdienen. In Deutschland haben wie gesagt die zuständigen Förderanstalten überall ihre Finger mit drin. Aus diesem Blickwinkel möchte man „wtp“ beinahe mit jenem gallischen Dorf vergleichen, in dem der kleine Schlaue und der große Dicke regelmäßig die römischen Invasoren vermöbeln. Ohne staatliche Förderung müssen sich alle Beteiligten weit über ihre eigentliche Hauptaufgabe hinaus mit in das Projekt einbringen. Da spielt Mira Gittner nicht nur GODOT, sondern kümmert sich auch um den Schnitt. GROSSVATER-Darsteller Wolfram Kunkel zeichnet nebenbei auch noch für die Musik verantwortlich. Und Marina Anna Eich streift nach den Dreharbeiten ihre Rolle der FRAU ab, um sich die Pressearbeit und Vermarktung des Films einzuverleiben. Man mag diese Arbeitsweise lapidar als amateurhaft abtun, doch sie kommt dem wahren Geist des „Independent“ bedeutend näher als die meisten Filme, die in den vergangenen Jahren unter diesem von den großen Studios gekaperten Siegel in unseren Kinos zu sehen waren.

MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN kämpft gleich an einer ganzen Reihe von Fronten. Er ist ein philosophisches Sinnstück, in dem es HITLER als Oskar-aus-der-Mülltonne-Reminiszenz treffend auf den Punkt bringt: „Der Sinn des Lebens ist es, in den Recall zu kommen!“ Er ist eine Medienschelte, in der derselbe HITLER sich als Dieter-Bohlen-Parodie versucht: „Wenn Du singst, hört es sich an, als ob sich mein Schäferhund eine Currywurst in den Arsch schieben würde.“ Er ist eine Satire, in der der Nazi-Opa hemmungslos seine Ansichten kund tun darf: „Alle Weiber sind gleich, was machst Du Dir Gedanken? Loch ist Loch, das Drumherum ist nur Verzierung!“ Er ist eine Comedy, in der der FREUND platteste Kalauer drischt: „Warum haben Frauen eine Gehirnzelle mehr als ein Pferd? Damit sie beim Putzen nicht aus dem Eimer saufen!“ Er ist ein Drama, in dem der MANN seiner meckernden Familie in einer Art höllischer Spieluhr gegenübertritt. Und er ist ein aufregend experimentelles Stück Kino, das seinen Höhepunkt in einer aberwitzigen Neuinterpretation des Gebrüder-Grimm-Märchens „Rotkäppchen“ findet.

Fazit: MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN ist soweit vom Mainstream entfernt, wie man es nur sein kann. Ein experimentell-philosophisches Stück Theater mit Anlauf und ohne Rücksicht auf antrainierte visuelle und dramaturgische Strukturen auf die Leinwand geworfen. Natürlich ist ein solcher Film für den Zuschauer immer auch ein unkalkulierbares Wagnis – bei manchen werden er und seine Thesen noch lange im Gehirn haften bleiben, andere werden den Kinosaal und damit das Experiment nach einer halben Stunde frustriert und entnervt verlassen.

Christoph Petersen
www.filmstarts.de

filmreporter.de - eine kreative Exkursion ...

Filmreporter.de - Belinda Grimm vom 25.12.2007

 

Inhalt zu Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein:

 

Der Mann (Wolfgang Seidenberg) flieht vor seinem bisherigen Leben, vor all den Zwängen, denen er täglich ausgeliefert ist und landet auf einem einsamen Fabrikgelände. Dort trifft er auf Godot (Mira Gittner), einer jungen Frau mit der Weisheit einer alten Dame. Sie lebt vom Müll, den andere hinterlassen. Auf ihre eigene geheimnisvolle Weise bringt sie ihn dazu, die richtigen Fragen zu stellen, in sich hinein zu horchen. Sie scheint immer ein bisschen mehr zu wissen, als der Mann, dem es auf der Flucht vor der prägenden Umgebung endlich gelingt, sich selbst zu suchen. Von einem inneren Motor angetrieben, begibt er sich auf eine Reise durch seine Vergangenheit und offenbart seiner Zuhörerin, sowie den Zuschauern in facettenhaltigen Bildern sein bisheriges Leben. Er spricht von all Menschen, die ihn nicht so nehmen wie er ist und ständig versuchen ihn zu ändern. Menschen, von denen er sich trotz allem nicht lösen kann. Bis zu dieser Nacht.

Zum Film:

Roland Reber schickt die Zuschauer auf eine kreative Exkursion in die Abgründe der Seele, ohne sie an die Hand zu nehmen. Stattdessen konfrontiert er mit düsteren Bildern, die weniger befreiend als verstörend wirken. Es handelt sich um eine Reise ohne Anfang und Ende. Der von Wolfgang Seidenberg personifizierte Mann ist einfach da, den Kopf voller Altlasten, die er nicht ablegen kann, und verabschiedet sich am Ende genauso unvermittelt. Es gibt kein Ziel und keine Befreiung. Das einzig Stetige ist Godot (Mira Gittner), eine mysteriöse junge Frau, die im Müll nach Zeichen sucht. Sie scheint das Leben zu begreifen, denn sie hat verstanden, dass es nichts zu verstehen gibt. Um das zu verdeutlichen, bedient sich Reber der unterschiedlichsten darstellerischen Elemente. "Mein Traum oder die Einsamkeit ist nie allein" ist sicher kein Film für die breite Masse, dafür aber für alle, die sich im Kino nicht fallen-, sondern herausfordern lassen wollen.

Belinda Grimm/Filmreporter.de
http://www.filmreporter.de/media/22679;Mein-Traum-oder-Die-Einsamkeit

Filmjournalisten.de - Versuch einer Interpretation

Filmjournalisten.de - Julian Reischl vom 18.10.2007

 

Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein – Versuch einer Interpretation - Julian Reischl


Roland Reber ist ein Filmemacher, der sich nicht schert um Konventionen, Regeln und Grundsätze. Er läßt seine Filme ja nicht einmal fördern. Stattdessen dreht er, was er will und wie er es will. Und es hat schon wieder funktioniert. Ein Dogma ohne Tamtam? Als dieser Blog noch jünger war und ich grüner hinter den Ohren, da habe ich berichtet, daß WTP diesen Film nun abgedreht habe, und was ich mir vom neuesten Film erwarte, nein, erhoffe. Verspreche. Mir vorstelle, daß kommen könnte. Vor knapp zwei Wochen hat man mir die Presse-DVD zugeschickt, und ich habe sie liegenlassen. Weil ich tierisch viel um die Ohren hatte, beruflich wie privat. Das wird man mir kaum glauben, denn wo Zeit ist, nach Hamburg zu fahren, Jesse James in Überlänge zu gucken und dann auch noch fett drüber zu bloggen, da sollten doch irgendwo die Stunde, neununddreißig Minuten und dreiunddreißig Sekunden drin sein, die Roland Reber und sein Team mir so freundlich geschickt haben. Ich schäme mich. Nun habe ich mir die Zeit genommen und den Film angesehen: Ich bin … ich bin unsicher, was ich sagen soll.

Laßt es mich chronologisch versuchen: Vom ersten Eindruck her kommen mir die vergangenen zwei Stunden vor wie ein anstrengendes Theaterstück. Ich trete nach der Vorstellung in die kalte Nacht hinaus (mit meinem langen Mantel, den ich schon so lang nicht mehr anhatte), gelenkt von der vagen Vorstellung, mir auf dem Weg zur S-Bahn noch einen Cheeseburger zu holen. Doch während meine Schritte mich in Richtung Tal zu den goldenen Bögen leiten, vergesse ich schon bald den Cheeseburger: Mein Gehirn ist doch noch mit dem Theaterstück beschäftigt.

Eine prägende Szene nach der anderen schießt vor mein inneres Auge, das Echo längst vergessen geglaubter Dialoge (oder eher Monologe) wird wieder lauter, ich fühle mich wie ein Bergsteiger in einer Wand: Ich weiß, wo ich bin, was ich tue und wo ich hin will, aber ich finde keinen Halt. Mir fehlt die kleine Ritze, in die ich meine Finger krallen, der kleine Absatz, auf den ich meinen Fuß setzen, der kleine Spalt, in den ich meinen Anker treiben kann. Dabei ist es ja nicht so, daß ich den Film nicht verstehe: Ein Mann verläßt sein bisheriges Leben, getrieben von den übergroß sprießenden Banalitäten und Normproblemen seiner Familie und Freunde, deren Sinnentleertheit niemand außer ihm zu erkennen scheint. Er trifft einen Mentor in Form einer Frau (?), die im Müll und Abwasser einer Stadt nach bewußt Vergessenem wühlt, also nach dem, mit dem sich andere Menschen (”Normale” nennen ausgerechnet die sich meist) nicht mehr auseinandersetzen wollen, es verdrängen, ignorieren, sich seiner entledigen, es runterspülen, also im wahrsten Sinne des Wortes drauf scheißen. Diese Frau, die sich Godot nennt (”Das Warten hat ein Ende” bemerkt sie lapidar) führt den Mann, der zunächst etwas desorientiert mit der Erkenntnis “Ich bin weggegangen” ringt, was er selbst und die wenigen Menschen, die er Anfangs trifft, nicht zu verstehen scheint, zuerst in ihren Wohnwagen, dann zu sich (nicht sexuell, nur geistig) und schließlich zu sich selbst. Bei unserem letzten persönlichen Treffen erklärte mir Roland Reber, daß er eine Phantasmagorie erzählen möchte (oder wollte er eine machen? Das wäre jetzt gut zu wissen, da besteht ja ein ziemlicher Unterschied), jedenfalls einen Film mit lauter Ausschnitten und Rückblenden, die die Erinnerungen der Hauptperson darstellen sollen in ihrer ganzen subjektiven Verdrehtheit und die weit weg sind von dem, was gemeinhin als Wahrheit angesehen wird. Und daß ich gespannt sein solle, es werde ganz verrückt und intensiv.

Nun, dieser Mann sitzt mit Godot vor einem Haufen alter Fernseher und bekommt auf diesem Trip, anders kann man es nicht ausdrücken, sein eigenes Leben vorgeführt. Ein sympathischer, aber doch irgendwie schmieriger Spielshow-Moderator (sorry, Antonio, Du spielst das einfach zu gut) führt durch die Show, deren Soundtrack wie die der tatsächlichen TV-Ergüsse billig und eingängig (sagen wir “volksnah”) und ein ziemlicher Ohrwurm ist.

In der Show treten verschiedene Figuren aus der Vergangenheit des Mannes auf: Vater, Mutter, Opa, Frau, Geliebte und so weiter, alle völlig überzeichnet, fast wie im Schultheater, wenn die hormongeplagten Teenager im Spezi-Rausch hysterisch werden, Insidergags nur noch von besten Freunden verstanden werden können und selbst erfahrene Lehrer zum Pädagogik-Notfallkit greifen, hier aber eben doch mit Sinn und Verstand.

Diese Figuren werfen mit ihren markigsten, für den Mann (oder noch Jungen) in seinem Leben prägendsten Sprüchen um sich und halten ihm so eine Art inneren Spiegel vor: So begründet Dein Gehirn das, was Du geworden bist. “Sorry, ich bin ja nur zum Merken da,” scheint es auszusagen, “die Probleme mußt Du schon selber lösen”. Manche Erinnerungen werden jedoch nicht dem Mann vorgeführt, sondern dem Publikum: Wahre “Zerrbilder” (sehr gut visualisiert, finde ich) der Erinnerungen springen förmlich von der Leinwand, lassen den Zuschauer teilhaben an der verqueren Denke des Erinnerungsvermögens, das der oder den Mann vernachlässigt hat (weiß man’s?) oder das sich nur noch nicht ordentlich konfiguriert hat (wurde?) in dessen Bewußtsein.

Die Thematik der subjektiven Wahrheit ist ja schon lang Urquell der Inspiration für Schriftsteller, Dramaturgen, Kabarettisten und eigentlich jeden. Schließlich macht der Mann eine Veränderung durch, eine Art Serie von Aha-Erlebnissen. Er setzt sich zum Beispiel mit der Beerdigung seines Vater (ein ohnehin schwieriges Verhältnis) auseinander, die er verpaßt hat, weil er nicht konnte und nicht wollte, mit seinem sexuellen Erwachen und der Versuchung durch eine andere Frau, der er erlegen ist, wie könnte er als normaler Mann auch anders. “Ich will einsam sein, damit mich niemand mehr verlassen kann” sagt er, was seine Einsicht auslösen wird und der Wendepunkt seiner Reise sein dürfte.
Er fragt Godot endlich direkt um Rat, kriegt eine Abreibung, die sich jeder hinter die Ohren schreiben sollte, und erkennt den für sich gültigen Sinn hinter der Frage, die anderswo schon mit “42” beantwortet wurde. Es folgt ein Epilog der enttäuschten Erinnerungen, die nicht vergessen werden wollen und ihren eigene Sinnfrage individuell zu beantworten versuchen, ein fulminanter Gastauftritt des Gewinners einer Nebenrolle, die auf dem 24/7-Jubiläum unter den Besuchern verlost wurde und der Glitter-und-Glamour-Industrie einen Seitenhieb verpaßt, dann führt die Erzählung zurück in die primitive Spielshow, aus der es ja doch kein Entrinnen gibt. Wenigstens ein paar süße Früchte gibt es dort zu sehen. Godot verschwindet, der Mann geht heim. Keine Floskeln.

Nur eine, und die ist tiefgründig: Mach’s gut. Nur … Was will Roland Reber mir damit sagen? Bleibe Dir treu? Verleugne Dich nicht? Du bist immer alleine? Mach es gut, egal, was Du machst? Ich denke, der Trick liegt darin, diese Frage gar nicht erst zu stellen und eben keine Antwort zu suchen. Denn das Leben ist wie ein schöner Urlaub: Der Weg ist das Ziel.
Genau so interpretiere ich das Ganze. Ich versuche, meine Fehler und Verfehlungen würdevoll und ohne böses Blut hinter mir zu lassen, ich versuche, niemandem zur Last zu fallen (derzeit klappt das noch nicht so recht), ich will “es”, was immer es auch sein mag, gut machen. Das steht leider zum Gedanken der Gewinnmaximierung, der heutzutage ja in jedermanns Gemüt fest verdrahtet scheint, im Gegensatz. Könnte also spannend werden. Aber wer hat gesagt, daß das Leben nicht spannend sein soll?

Ein paar persönliche Anmerkungen: Das Spiel mit der Beleuchtung in manchen Szenen, die stark an Theaterdramaturgie angelehnt ist, hat mir sehr gefallen. Die Computergrafik samt Flugillusion ist, naja, sagen wir “etwas retro”. Genügt dem dramaturgischen Zweck vollkommen, wäre aufwendiger aber überzeugender und auch weniger “auffällig” gewesen. Schöne Dialoge, die die Aussage (Teilaussagen) auf den Punkt bringen, zu schade, um sie hier wiederzugeben und so andere Zuschauer zu spoilern. Das Wohnmobil ist ein sehr interessantes Ding, sieht echt gut und bequem aus, heimelig geradezu. Stilvoll, wie ein altes Pub. Ein schöner Film, der nach einem langen Cafébesuch schreit. Ich möchte ihn nämlich erklärt bekommen bzw. erfahren, wie weit meine Interpretation von dem, was Ihr vermitteln wolltet, entfernt liegt. Und ich bin gespannt, wie das Publikum reagieren wird, echt!

http://www.filmjournalisten.de/?p=370

 

Chilli - Gegen den Strom Filmen

Connection - Das Warten hat ein Ende

Barbara Wollstein, Connection

 

MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN - Das Warten hat ein Ende.


„ Warten auf Godot – dieser Titel des berühmten Stücks von Beckett aus den frühen fünfziger Jahren wurde ein geflügeltes Wort und bezeichnet ein sinnloses Warten, das Warten an sich. In dem philosophischen, skurrilen Film MEIN TRAUM ODER DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN des Autor-Regisseurs Roland Reber (bekannt durch 24 / 7 THE PASSION OF LIFE) geht der MANN (Wolfgang Seidenberg) einfach weg von zu Hause und trifft GODOT (Mira Gittner) auf einer Mülldeponie.

Warten ist also nicht das Thema, eher das Hinschauen. GODOT, eine abgesehen von ihrer Lebensweise frisch und normal wirkende Frau, sucht im Abfall und den Exkrementen der Menschen nach dem Besonderen. Sie beherbergt den MANN in ihrem alten Wohnwagen und veranlasst ihn als Mentorin, genauer auf sein Leben zu schauen, aus dem er gerade abgehauen ist. Der MANN, der sich in einer Art Midlife-Crisis zu befinden scheint, ist so exemplarisch, dass er und die anderen Figuren keine individuellen Namen brauchen: Die verlassene FRAU (Marina Anna Eich) ist gekränkt und frustriert, die GELIEBTE (Sabrina Brencher) nur wegen ihres Körpers interessant. Der VATER (Torsten Münchow) kommandiert den MANN noch aus dem Grabe heraus, der GROSSVATER (Wolfram Kunkel) denkt stramm deutschnational und lässt HITLER als „Schacherlteufel“ fröhliche Urstände feiern. Der FREUND (Andreas Heinzel) reißt einen Witz nach dem anderen, und so weiter.

Die Szenen seines Lebens erscheinen dem MANN in der Form eines expressionistisch-surrealistischen Querschnitts durch die Medienlandschaft, vom Puppenspiel über Filmprojektionen bis zur Talkshow. Das ist formal reizvoll und lenkt den Blick darauf, wie sehr die Medien und ihre Formate unser Bewusstsein beeinflussen und die Raster vorgeben, in denen wir denken und leben.

In dem Film gibt es zwei Ebenen: die nächtlichen Gespräche, Streifzüge und Begegnungen des MANNes und GODOTs, die eher real zu sein scheinen, weil sie an Außenschauplätzen gedreht wurden, und die Blicke des MANNes auf sein Leben, die als Spiegelungen, Projektionen und auf  Bildschirmen verfremdet inszeniert wurden und daher traumartig wirken. Dabei verliert der Zuschauer nie aus den Augen, dass das ganze eigentlich ein Theaterstück ist, in dem jedes Wort vorgegeben und stilisiert ist.

Der MANN betrachtet und bewertet seine Herkunft, seine Beziehungen. Das wühlt ihn auf, und immer wieder fragt er: Warum? Was ist der Sinn? Hilfesuchend wendet er sich an GODOT, die einzige Person – vielleicht auch nur sein eigenes tiefstes Inneres -, mit der / dem er erstmals rückhaltlos kommunizieren kann. GODOT antwortet wie eine Figur von Sartre oder Camus: Es gibt keinen vorgegebenen Sinn. Der Mensch ist in sein Dasein geworfen und erfindet sich selbst durch seine Handlungen, für die er die volle Verantwortung trägt. Nicht gerade tröstlich, aber mehr Gewissheit gibt es nicht.

Der ungewöhnliche und erfreulich unzeitgemäße Film wurde von der wtp international GmbH produziert. In diesem kreativen Team um den Autor, Regisseur und Produzenten Roland Reber, der sich gar nicht erst um Förderung und Koproduzenten bemüht, übernehmen Schauspieler auch weitere Aufgaben wie Schnitt, Musik oder Organisation. Von der Herstellung bis zur Pressebetreuung liegt alles in denselben Händen. So entsteht große Unabhängigkeit und zugleich Geschlossenheit. Mainstream ist das jedenfalls nicht. Schon deshalb wünschen wir den Machern Erfolg und noch mehr solcher mutiger Projekte!“

(Barbara Wollstein, Connection)

www.connection.de