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Interview mit Roland Reber

Roland Reber: Eine Institution in Regie. Zu sagen, dass Roland Reber ein außergewöhnlicher Regisseur ist, würde ihn nur halbherzig beschreiben. Der Mann an sich ist eine Lehrstunde für die gesamte Filmwelt.“ Hindustan Times, 14.11.2003

 

Roland Reber Buch und Regie

 

Was ist für Sie das Besondere an MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN?

Roland Reber: Der Film spielt mit dem Medium an sich. Es kommen verschiedene Elemente der Medien- und Kulturlandschaft darin vor, vonTalkshow über Comedy bis zum Drama. Daher ist MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN auch nicht in ein Genre einzuordnen, so wie das Leben selbst ein Mischmasch ist. Wir haben das zu einer neuen Genre-Bezeichnung zusammengefasst: Dramödie. Ich sehe das Leben als eine Dramödie. Der Film spielt in einer Nacht, in der der MANN sein Leben reflektiert. Es bleibt aber offen, ob auch diese Nacht nur ein Traum ist. Die Traumbeschreibung ist für mich eine Metapher für das Leben und dessen Inszenierungen. GODOT sagt im Film: „Woher weißt du, dass du wach bist?“. Ja, woher weiss ich, dass ich wach bin? Besonders für uns war diesmal aber etwas, was für alle anderen normal ist. Wir hatten ein Drehbuch zu Beginn der Dreharbeiten, an das wir uns auch das ein oder andere Mal gehalten haben.

Sie haben einen eigenen Weg des Filmemachens und –produzierens. So sind die Schauspieler häufig auch in anderen Bereichen des Filmemachens involviert – wie z.B. bei Schnitt, Kamera, Drehbuch, Produktion etc. Wie sieht diese Arbeitsweise aus?

Roland Reber: Für mich beginnt Schauspiel berührend zu werden, wenn es persönlich und authentisch ist und das erreicht der Schauspieler eher, wenn er sich mit der Rolle selbst auseinandersetzt und nicht irgendein Erfüllungsgehilfe eines göttergleichen Befehlsgebers ist. Das ist Militär, ich mache Filme. Ich erwarte von einem kreativen Künstler seine eigene Interpretation, sonst könnte ich die Rolle ja selber spielen oder auch die Kamera selber machen. Ich sehe mich eher als Dirigent, der die Solisten lediglich koordiniert und zu einem harmonischen Orchester zusammenführt. Alle nehmen am kreativen Prozess teil, der Produktionshelfer genauso wie der Hauptdarsteller. Das ist meine Definition von Team-Work, also ist es auch nicht „mein“ Film, sondern „unser“ Film. Wir machen Filme mit geringem Budget, so dass wir selber produzieren können und somit haben wir immer die volle Autorität über das, was wir machen. Wir nutzen unser eigenes Equipment, von der Produktion über Postproduktion bis zur Vermarktung machen wir alles selber. So kann uns niemand reinreden und das gibt uns die Freiheit, kreativ zu sein. Inzwischen sind die meisten Filme zu reinen Produkten geworden, zu Anlageobjekten. Sie werden zurechtgeschnitten und überwiegend von Finanziers entschieden, die von der Nachfrage des Marktzwanges abhängig sind. Wenn wir uns weiterhin von diesen Sachverwaltern der Geldgeber dominieren lassen, wird es nur noch Filme von der Stange geben.

Was war Ihre Motivation, das Thema Unterhaltungsindustrie in den Film zu integrieren?

Roland Reber: Die meisten sind doch weitaus mehr an Karriere, Geld und Party interessiert, als sich mal eigene Gedanken über irgendein Thema zu machen, irgendetwas zu hinterfragen. Die meisten sind auch gar nicht mehr fähig, sich eigene Gedanken zu machen, es wird einem ja nicht mehr beigebracht wie man denken soll, sondern nur, was man denken soll. Und die massenmediale Unterhaltungskultur hat viel dazu beigetragen. Es kommt einer Massenhypnose gleich, die meiner Meinung nach gesteuert ist, und davon ablenkt, die Gesellschaft oder auch sich selbst zu hinterfragen. Es ist nun mal bequemer, den neuen FilmFilm zu sehen, als sich selbst gegenüberzutreten. Zum anderen geht es in dem Film über die Selbst- bzw. Fremd-Inszenierung des Lebens, in denen der Mensch gefangen ist. Jeder spielt seine Rollen, seine Spiele, seine Show, die wir dann für die Realität halten.

Was wollen Sie dem Zuschauer vermitteln?

Roland Reber: Ich sehe meine Art des Kinos als Abenteuer des eigenen Geistes, das zum Denken provoziert. Was ich mir vom Zuschauer wünsche, ist Resonanz. Ich will am Ende den Zuschauer, der mir 100 min lang gefolgt ist, nicht mit leeren Worthülsen abspeisen. „Keine Floskeln“. Ich habe selbst auf so viele Dinge in meinem Leben keine Antworten, dass es unfair wäre, so zu tun, als hätte ich welche. Was ich mir vom Zuschauer wünsche, ist Resonanz. Derartige Diskussionen gehören für mich zu den schönsten Auswirkungen des Filmemachens. Bei dem Film 24/7 THE PASSION OF LIFE sind wir monatelang durch Deutschland und Österreich getourt, um in über 60 Kinos den Dialog mit dem Publikum zu führen. Das will ich erreichen, ohne dem Zuschauer eine geheuchelte Botschaft aufzudrängen.

Gab es bei den Dreharbeiten eine Erfahrung, die Sie besonders beeindruckt hat?

Roland Reber: Der Enthusiasmus des Teams, das sich bei 5 Grad nachts nach einem vollen Arbeitstag bei Arri, Premiere oder sonst wo, bis morgens um 5 Uhr hingestellt hat, um dem Film Leben einzuhauchen. Ebenso die Hilfsbereitschaft wie zum Beispiel die Stadt Landsberg am Lech für die ganzen Original-Locations, Arri-Rental oder die Leute vom Panther-Studio in Oberhaching. Irgendetwas fehlt immer, sei es mal die Nebelmaschine oder jemand, der sich auskennt, um ein Taxi, dessen Batterie leer ist und mitten im Studio steht, wieder flott zu machen. Und dieser Funke des Enthusiasmus macht diesen Film zu dem, was er ist.

Interview mit Wolfgang Seidenberg

Schauspieler Wolfgang Seidenberg, Millionen Fernsehzuschauern bekannt als 'Frank Töppers' aus der ARD Serie 'Marienhof', übernahm die Hauptrolle in 'Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein' und spielte den MANN.

 

Wolfgang Seidenberg als DER MANN

 

Was hat Sie an dem Drehbuch gereizt?

Wolfgang Seidenberg: Schon beim ersten Lesen hatte ich das Gefühl: Das kenne ich, das hat etwas mit mir zu tun. Und die Art, wie das erzählt wird, ist außergewöhnlich, weil es nicht in die bekannten Erzählmuster verpackt ist, sondern in einem quasi assoziativen Stil alles zulässt. Und wie, zum Teufel, spielt man das? Wie träume ich mich selbst?

Wie war die Zusammenarbeit mit Roland Reber und dem Team von wtp mit ihrer speziellen Arbeitsweise?

Wolfgang Seidenberg: Das wtp-Team versicherte mir ja immer wieder, dass es ein Drehbuch bei diesem Projekt nur gäbe, weil ich mitspiele und das doch so gewohnt sei. Nach zwölf Jahren Fernseharbeit ist das sicher richtig. Die völlige kreative Freiheit, die hier wunderbarerweise herrscht, muss man erst mal verkraften. Und Roland Reber setzt sein Regie - Credo konsequent um: nichts vorzuschreiben, sondern durch Gespräche und durch Schaffung der "richtigen" Atmosphäre die Arbeit zu führen. Im Endprodukt findet sich wirklich jeder Beteiligte wieder, und ich habe selten eine so harmonische Produktion erlebt.

Was ist das Besondere an der Rolle des MANNes?

Wolfgang Seidenberg: Vieles kam mir bekannt vor (jedenfalls hab ich es so gelesen): Die Dauerkrise des Mitt - Vierzigers zwischen allen Anforderungen des Lebens, den eigenen Ansprüchen und der Identitätsfindung. Die Fluchtgedanken, die Sehsucht nach Neubeginn. Die Erkenntnis, dass man sich doch überall hin mitnimmt und Neubeginn mit Flucht verwechselt. Und die Figur nervt, wie ich mich selbst oft nerve. Zunächst denkt man: der Arme, wie ihn alle drangsalieren. Wenig später möchte man brüllen: Wenn Dir was nicht passt, mach's Maul auf! Ändere was und hör auf, das Opfer zu spielen und Dich in Selbstmitleid zu baden!

Was ist für Sie das zentrale Thema des Filmes?

Wolfgang Seidenberg: Die Einsamkeit. Vielleicht genauer: die (Selbst-)Vereinsamung des Menschen im Medienzeitalter. Denn die Krise des Mannes ist nicht nur eine Charakterschwäche, er hat in der Bilderflut seines Lebens das Bild von sich verloren.

Gibt es eine Lieblingsszene?

Wolfgang Seidenberg: Die traute Zweisamkeit mit GODOT auf einer aufblasbaren Insel im Meer von Scheiße in der Kanalisation.

Hat Ihnen die Rolle eine persönliche Bereicherung gegeben?

Wolfgang Seidenberg: Zitate werden bleiben. Nicht nur, wenn ich Mira Gittner treffe, denke ich oft: KEINE FLOSKELN ! Und natürlich eine Arbeit abseits der heute üblichen Produktionszwänge. Die Begeisterung, die in diesem Team herrschte, trägt mich schon ein Stück weit.

 

 

Interview mit Mira Gittner

Mira Gittner, mehrfach ausgezeichnet als Schauspielerin und für Regie und Schnitt, übernahm bereits Hauptrollen in der wtp-Erfolgsproduktion '24/7 - The Passion of Life' als Domina und Mythenforscherin 'Lady Maria', sowie in 'The dark Side of our inner Space', 'Pentamagica' und dem preisgekrönten Spielfilm 'Das Zimmer'. Bei 'Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein' - wie auch bei den anderen wtp-Filmen - übernahm sie außerdem den Schnitt.

 

Mira Gittner als GODOT, sowie Schnitt

 

Was ist für Sie das zentrale Thema des Filmes?

Mira Gittner: Es lässt sich doch alles auf eine einzige Frage reduzieren, deshalb fällt sie im Film auch immer wieder: Warum? Ich frage mich so oft, warum tun Menschen dies oder das, warum tue ich dies oder das oder auch das große Warum in Bezug auf das Leben. In der Reflektion findet man vielleicht manchmal eine Antwort, wobei jede Antwort wieder ein neues Warum aufwirft, ein ewiger Kreislauf um ein klitzekleines Wort, dem man nicht entfliehen kann. Und in dieser Situation befindet sich der MANN in dieser Nacht.

Was ist für Sie das Besondere an der Figur GODOT?

Mira Gittner: GODOT hat als einzige Figur in dem Film einen Namen. Alle anderen haben bzw. sind reine Bezeichnungen: der MANN, die FRAU, der FREUND, die MUTTER, der TALKMASTER usw. Nur im Märchen bekommen sie einen Namen. Namen, die das Kind ihnen gibt, unter anderem den Phantasienamen „Rumpelstilchen“, um dann von seinem erwachsenen Umfeld belehrt / programmiert zu werden (wie ich gerade von meinem Word-Programm), wie es zu heißen hat: nämlich Rumpelstilzchen – mit z. Hinfort ist die Phantasie und der JUNGE wird zum MANN. GODOT hat sich aus den menschlichen Rollenspielen („Keine Floskeln“) gelöst, ist authentisch geworden und übt sich in der Freiheit von jemandem, der bedeutungslos geworden ist. Von allen Moden und Trends übersehen oder nicht verstanden, hat GODOT es aufgegeben, noch irgendetwas anderes zu verfolgen als den eigenen einsamen Weg.

Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach die Figur GODOT? Der MANN fragt ja am Ende des Filmes:
„GODOT, wer bist du eigentlich wirklich?“

Mira Gittner: „Tja, darüber denk mal nach.“ – würde GODOT jetzt sagen. Ich hoffe, ich habe GODOT so viel Raum gelassen, dass jeder Zuschauer sich seine eigenen Gedanken machen kann. Für die einen mag das unvollständig wirken, aber wenn der Zuschauer eine vollständige Figur mit allen Details beschrieben haben möchte, dann soll er sich den Otto-Katalog anschauen. Vielleicht gibt es auch gar keine Bedeutung der Rolle, keine Bedeutung überhaupt. Vielleicht ist die Suche nach einer Bedeutung oder einem Sinn ein Üeberlebensmechanismus, um unserem Leben eine Wichtigkeit zu geben, weil wir Angst vor unserer Bedeutungslosigkeit haben. Vielleicht haben wir den Sinn in dem Moment gefunden, wo wir aufhören, danach zu suchen.

Gibt es ein Lieblingsmotiv?

Mira Gittner: Der Tümpel mit dem Fernseher und im Hintergrund die Panzerhallen. Dazu ein Froschkonzert, vorbeidonnernde LKWs auf der B 17 und ein brummender Generator, der eigentlich „silent“ sein sollte, eine Badeinsel, die aufplatzt und ständig nachgepumpt werden muss, aber eine wunderbare Stimmung am Set. Die Tiefe im Bild, wenn die beiden still vor sich hinrauchen und in den Fernseher im Tümpel starren. Das Bild wird tiefer, so wie der MANN in die Tiefe von sich selbst vordringt.

Interview mit Marina Anna Eich

Marina Anna Eich, ausgezeichnet mit dem Best Female Actor Award 2002 für den Kurzfilm 'Dann nenn es halt Liebe, übernahm vor der Rolle als DIE EHEFRAU in 'Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein' bereits eine Hauptrolle als 'Eva' im Roland Reber Film '24/7 - The Passion of Life' sowie weitere Hauptollen in 'The dark Side of our inner Space', 'Pentamagica' und 'Das Zimmer' sowie in verschiedenen weiteren Kino- und Fernsehproduktionen und Shorts.


Marina Anna Eich als die FRAU, sowie Produzentin

 

Wie unterschied sich die Produktion von MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN von den anderen wtp Produktionen?

Marina Anna Eich: Von der Vorgehensweise bis zur Fertigstellung des Filmes war diesmal alles anders. Unsere letzten Produktionen zeichneten sich dadurch aus, dass zu Anfang kein fertiges Drehbuch, sondern nur die Grundgeschichte vorlag. Von Tag zu Tag wurde die Geschichte nun ausgearbeitet, Szenen geschrieben, geändert, ergänzt, die Linie des Filmes wurde kurzfristig festgelegt. Das ist ein längerer kreativer Prozess. Von MEIN TRAUM oder DIE EINSAMKEIT IST NIE ALLEIN gab es ein fertiges Drehbuch. Ein weiterer Unterschied bestand darin, dass wir dieses Mal zum großen Teil eine Studioproduktion hatten. Da wir uns selbst ein Zeitlimit setzten, kamen wir diesmal nicht drum rum, mit einem Drehplan zu arbeiten. Die Idee aus einem ehemaligen Theaterstück einen Film zu machen entstand Ende Februar. Den ersten Drehtag setzten wir auf den 11. April. Bis Mitte Mai mussten wir abgedreht sein, da wir zeitlich eingespannt waren. Es blieben uns gut vier Wochen Zeit die anderen Rollen zu besetzen, sowie alle weiteren Vorbereitungen zu organisieren: einen genauen Drehplan, ein Studio, verschiedene Drehorte und deren Genehmigung, Requisiten, Maskenbildner, technische Crew und Equipment, etc. Mit viel Engagement, täglichem Einsatz und wenig Schlaf, haben wir es geschafft. Inklusive der drei Monate Schnitt war die Produktionszeit von der Vorbereitung bis zum fertigen Film insgesamt nur fünf Monate.

Sie sind nicht nur Darstellerin, sondern auch noch Produzentin und Herstellungsleiterin, sowie für den Bereich Verleih und Pressearbeit zuständig. Wie meistern Sie diese Mehrfachfunktionen?

Marina Anna Eich: Verleih und Pressearbeit beginnt erst wenn der Film abgedreht ist. Sicherlich war es sehr stressig, sich innerhalb der kurzen Zeit von ca. 8 Wochen auf seine Rolle vorzubereiten, diese zu spielen und gleichzeitig für die Drehorte, die logistische Einteilung der Crew und des ganzen Drehplanes, sowie für das Wohl der anderen Schauspieler verantwortlich zu sein. Aber wie man sieht, hat es wunderbar geklappt ohne dass die Stimmung am Set oder der Dreh an sich darunter gelitten hat. Wie das funktioniert kann ich auch nicht genau sagen.

Haben Sie eine Lieblingsszene?

Marina Anna Eich: Wenn sich FREUND und EHEFRAU unter dem Baum treffen, er geht und sie alleine auf dem roten Sofa zurück lässt, um vor dem Spiegel einen Witz einzustudieren, dabei jedoch in Tränen ausbricht. Hinzu kommt noch die wunderbare Untermalung mit Wolframs Musik. Das ist eine sehr berührende Szene, die die wahre Einsamkeit der Figuren widerspiegelt.